Geschichtliches

Die Wilde Bande

Die Geschichte der Bettelwurfhütte ist eng mit der Alpinen Gesellschaft „Wilde Bande“ verknüpft, einer Gruppe bergbegeisterter Mitglieder des Alpenvereins, die besonders gern und oft im Halltal unterwegs waren. Eines der Ziele der „Wilden Bande“ war die Errichtung eines Weges vom Stempeljoch zum Lafatscherjoch („Wilde Bande Steig“) und der Bau der Bettwurfhütte. Da keine neuen Mitglieder aufgenommen wurden, starb auch diese Gemeinschaft mit dem Tod des letzten Mitgliedes nach dem zweiten Weltkrieg.
Entgegen dem Namen waren sie keinesfalls eine Wilde Bande, sondern vielmehr eine ehrenhafte Vereinigung von Idealisten, deren stolze Mitglieder den Gruß „Hoch Glück!“ bei gegenseitigen Begegnungen gebrauchten.

Julius Pock, ein Gründungsmitglied der Wilden Bande, ein Pionier der Alpenerschließung, machte bereits 1891 den Vorschlag zum Bau der Bettelwurfhütte und so nahm das Projekt auf dem kleinen terassenartigen Vorsprung an der Südflanke des Kleinen Bettelwurfes Formen an. Nach der Präsentation eines Modells der Hütte 1893 auf der Landesausstellung in Innsbruck, wurden die gesamten Holz- und Eisenteile des Modells mit Saumpferden und von Trägern zunächst zum Lafatscherjoch und 1894 zum eigentlichen Bauplatz geliefert. Bereits am 8. September 1894 fand die feierliche Eröffnung statt. Zunächst nur für Übernachtungen ausgestattet, wurden ab 1896 auch Lebensmittel angeboten, seit 1902 ist die Hütte bewirtschaftet.

Umbauten und Modernisierungsarbeiten

Bereits um die Jahrhundertwende ist der Besucherandrang derart gestiegen, dass ein Schlafhaus angebaut wurde. Die nachfolgenden Bauveränderungen dienten vor allem der Verbesserung der Bewirtung.
Da die Versorgung der Hütte über das Lafatscherjoch immer beschwerlicher wurde beschloss man 1966 den Bau der Materialseilbahn. Im Jahr 1964 wurde das erste Stromaggregat installiert und im Jahr 1974 ein Waschraum und WC´s eingebaut. Seit 1981 ist die Hütte an das örtliche Telefonnetz angeschlossen, was zu dieser handyfreien Zeit eine große Erleichterung für die Alarmierung von Hilfseinsätzen bedeutete.
Neben vielen baulichen Verbesserungen wurde 1992 auch eine Photovoltaik-Stromversorgung zur Unterstützung des Aggregates montiert. Eine teure und große Investition war die Errichtung der neuen Kläranlage auf Basis der Separations-Toilettentechnik („Trenn-Klo“). Gleichzeitig wurden 2003 auch die Quellen für die Wasserversorung neu gefasst. Die Wasserleitung, die über eine Felsklamm die Wasserversorung sichert, muß wegen Lawinengefahr am Ende der Bewirtschaftungszeit immer abgebaut werden. 2004 wurde die Bettelwurfhütte mit dem Umweltgütesiegel ausgezeichnet.

Wie der Bettelwurf der Sage nach zu seinem Namen kam

Einst klopfte ein mittelloser Salzberger (Bergknappe), der nichts besaß als eine Stube voll hungriger Kinder, an die Pforte des Klosters der Augustinerinnen in St. Magdalena im Halltal und bat um eine milde Gabe. Unmutig reichte eine Nonne dem lästigen Gast ein Stück hartes Brot. Dem enttäuschten Bettler stieg darauf die Zornesröte ins Gesicht, er tat einen grässlichen Fluch gegen den Himmel und das Kloster und wandte sich mit folgenden Worten ab: „Fresst euch den Bettel selbst, Ihr Geizkragen!“ Er schleuderte die Gottesgabe mit einem kräftigen Wurf nordwärts gegen die Felswände. Starr vor Entsetzen und voller Angst rief die Klosterfrau in ihrer Bestürzung: „Zur Strafe für deinen Frevel sollst du im Grabe keine Ruhe finden und die Felsbrocken, die von den brüchigen Wänden zu Tal kollern, immer wieder den Hang hinaufschleppen müssen!“
Wer das Gestein der Kalkberge kennt, weiß, dass der Unglückliche mit dieser Verwünschung in Ewigkeit nicht zu Ende kommen wird. Seit dieser Zeit geistert er ruhelos in den Klüften hin und her und tritt im Sommer Gestein, im Winter aber die gefürchteten Lawinen von den Wänden los, die schon manchem Ahnungslosen zum Verhängnis wurden.

Chronik als Buch

Mit großer Sorgfalt und viel Liebe hat der langjährige zweite Hüttenwart der Bettelwurfhütte, Günter Amor, eine aufwändige Chronik der Hütte verfasst. Karwendelfreunde können das Buch bei uns auf der Hütte und im Buchfachhandel und in der Geschäftstelle des Alpenvereins erstehen.